
2 Wirkstoffdesign
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summieren. Bei zu nahem Kontakt kommt es zu einer stark abstoßenden
Wechselwirkung, die von 1/r
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abhängt.
Außerdem wird der Ligandenbindungsprozess durch hydrophobe Wechselwirkungen
beeinflusst. Diese beschreiben das Bestreben zur Aggregation lipophiler Gruppen in
wässriger Lösung.
[192]
Hierzu werden auch Stapel (face to face) und T-förmige (edge
to face) Wechselwirkungen zwischen aromatischen Ringen gezählt.
[193]
Der
klassische hydrophobe Effekt ist durch eine hohe günstige Komplexierungsentropie,
welche auf der Verdrängung und Freisetzung geordneter Wassermoleküle beruht
und einen geringen enthalpischen Beitrag gekennzeichnet.
2.2.2 Beiträge durch Solvatation und Desolvatation
Die molekulare Erkennung zwischen zwei Molekülen findet in biologischen Systemen
in wässriger Umgebung statt. Wasser kommt daher – zusätzlich zu der im vorigen
Kapitel beschriebenen Rolle bei der Energetik von Wasserstoffbrückenbindungen –
eine besondere Funktion bei der Bildung von Protein-Ligand-Komplexen zu.
[194,195]
Wassermoleküle beeinflussen auf verschiedene Art und Weise die Funktion,
Dynamik oder Struktur von Protein und Ligand. Dabei ist es von entscheidender
Bedeutung, welche räumlichen Voraussetzungen für die Wassermoleküle vorhanden
sind.
Man unterscheidet i. A. drei verschiedene Typen von Wassermolekülen, die die
Bildung von Protein-Ligand-Komplexen in biochemischen Reaktionen
beeinträchtigen.
„Freies“ Wasser, welches über Wasserstoffbrücken tetraedrisch miteinander
koordiniert ist und so ein schnell fluktuierendes dreidimensionales Netzwerk
ausbildet, indem Wassermoleküle in ihrer Beweglichkeit nicht eingeschränkt sind,
steht in keinem direkten Kontakt zum Biomolekül.
Wasser an den molekularen Grenzflächen hydratisiert dagegen die biologischen
Makromoleküle mit polaren Gruppen an der Oberfläche über Dipol-Dipol-Kräfte.
Hydrophobe Bereiche auf der Proteinoberfläche zwingen dabei die Wassermoleküle,
eine mit a/jointfilesconvert/340772/bgewandten Wasserstoffbrücken angeordnete Struktur anzunehmen und
führen so zur Senkung der Entropie. Dadurch ist das System bestrebt, die
hydrophoben Flächen zu minimieren. Dieser auch als hydrophober Effekt
bezeichnete Prozess nimmt bei Proteinen großen Einfluss auf die Faltung und
Konformation. Außer der ersten, an das Molekül gebundenen Wasserhülle bilden
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