
1 Alzheimersche Krankheit
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Wechselwirkung mit dem Enzym ein, so dass sie oft ignoriert werden können, um
das Molekulargewicht des potentiellen Inhibitors zu reduzieren.
Die von Tang und Gosh synthetisierten Inhibitoren besitzen in ihrem Zentrum jeweils
ein Hydroxyethylen-Motiv, welches als nicht hydrolisierbare „Nachahmung“ der
Zwischenstufe funktioniert. Die verschiedensten anderen transition-state isosteres
wurden mit mehr oder weniger Erfolg von anderen Gruppen und Firmen auf ihre
BACE-Tauglichkeit untersucht. Trotz dieser Erfolge und Anstrengungen bei der
Entwicklung von BACE1-Inhibitoren blieben bis ins Jahr 2003 zwei große Hürden der
Wirkstoffentwicklung völlig unberücksichtigt: Das Potential zur Überwindung der Blut-
Hirn-Schranke und die orale Bioverfügbarkeit. Peptidische Inhibitoren zeigen zwar
eine große Selektivität, als pharmakologisch interessante Wirkstoffe kommen sie
jedoch selten zur Anwendung.
Einen ersten Schritt zu Inhibitoren mit einem geringeren peptidischen Charakter
machte Elan durch Einführung von Isophthalamiden in Verbindung 9 (Abb. 1.12).
Durch erfolgreiche Co-Kristallisation konnte gezeigt werden, dass dieser Rest ideal
mit dem S
2
/S
3
-Bereich des Enzyms interagiert. Annähernd tausend Derivate dieses
Motivs mit verschiedensten Isosterengruppen wurden seither in der Patentliteratur
gesichert. Eine kleine Überraschung hielt die Kristallstruktur allerdings noch bereit.
Der Alkohol der Isosteren-Gruppe besitzt eine R-Konfiguration, eine Tatsache die
völlig konträr zu den bis dahin beobachteten BACE-Inhibitoren ist. Das sekundäre
Amin und der sekundäre Alkohol erkennen die Asparaginsäuren des aktiven
Zentrums in einer völlig unüblichen Weise. Das benachbarte Amin erhält scheinbar
ein Proton von Asp
228
und platziert seinen 3-Methoxy-Benzylsubstituenten in die S
2
’-
Tasche. Eine der N-Propylgruppen des Isophthalamides besetzt den S
3
-Bereich und
zeigt zum Phenylring, der mit der S
1
-pocket interagiert.
Wissenschaftler von MSD gelang durch Anwendung eines neuartigen high
throughput screening (HTS) Verfahrens die Identifizierung einer 1,3,5–
trisubstituierten aromatischen Verbindung (10, Abb. 1.12). Es handelt sich dabei um
eine Aminopentyloxaacetamid-Klasse mit moderater BACE
1-Aktivität (IC
50
= 1–25
µM). Untersuchung eines Enzym/Inhibitor-Komplexes, welcher durch Co-
Kristallisation gewonnen werden konnte, zeigte die Interaktionen der Verbindung mit
den S
4
- und S
1
-Bereichen des aktiven Zentrums von BACE1. Es konnten keinerlei
Wechselwirkungen mit der S
1
’-S
3
’-Positionen des Enzyms festgestellt werden und
was noch verwunderlicher erschien, die Verbindung hat keinerlei direkten Kontakt mit
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